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Für Jeden das richtige Yoga

Einklang für alle.

Home » Genuss » Für Jeden das richtige Yoga - 10.2017

Yoga ist nicht Yoga. Und vor allem sind die Bedürfnisse eines jeden Menschen völlig individuell. Damit Yoga das Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele wirksam unterstützen kann, sollte man sich vorher über seine Ziele klar sein.

Heutzutage ist die Yogaszene so bunt und vielfältig, dass jeder sein Plätzchen auf der Matte findet. Sportliche Typen, die eine dynamische Praxis lieben, können sich im Ashtanga-, Jivamukti- oder Power-Yoga austoben. Wem oft kalt ist, kommt beim Hot Yoga richtig ins Schwitzen. Wer es ganz genau wissen und sehr präzise üben will, fühlt sich im Iyengar-Yoga zu Hause. Erschöpfte genießen die sanfte Praxis des Vini- oder Yin-Yoga. Und wem schnell langweilig wird, der bekommt in neueren Stilen wie Faszien-, Acro-, Hormon- oder Anusara-Yoga frische Impulse.

Dank des facettenreichen Angebots kann jeder den Stil und Lehrer finden, der zu ihm passt. Denn nur dann wird die Praxis das eigene Wohlbefinden wirksam fördern.

Es macht keinen Sinn, irgendwelchen superbeweglichen, jugendlichen Instagram-Stars nachzueifern oder ständig auf die Nachbarmatte zu schielen. Eine Yogastunde ist nicht der richtige Ort, um sich über die Schmerzgrenze hinaus zu pushen oder selbst zu optimieren.

Schluss mit Selbstoptimierung

Wer den Schatz dieser jahrtausendealten Praxis wirklich entdecken möchte, der darf seinen Körper, Atem und Geist möglichst ohne Bewertungen und sportliche Ziele erforschen. Auf der Yogamatte dürfen wir eine Auszeit nehmen von Perfektionismus und Leistungsdenken. Ein guter Yogalehrer wird seine Schüler dabei unterstützen, sich liebevoll dem eigenen Körper – mit all seinen Grenzen und Möglichkeiten – zu nähern. Er wird sie dazu ermutigen, die eigene Einzigartigkeit zu entdecken und wertzuschätzen. Wenn wir uns selbst besser kennenlernen, entwickeln wir auch ein Gespür dafür, was wir brauchen und was uns guttut.

So können wir die Werkzeugkiste des Yoga ideal für uns nutzen. In ihr finden sich viele Übungen, die uns helfen, ein etwaiges Ungleichgewicht auszubalancieren. Wir können Ruhe und Gelassenheit kultivieren oder Mut und Disziplin entwickeln. Wir können den Körper nach einem anstrengenden Tag in die Entspannung führen oder ihn am Morgen genussvoll aktivieren. Durch die enge Verbindung von Atmung und Nervensystem unterstützt uns Yoga wirkungsvoll dabei, Stress und Anspannung abzubauen und eine gesunde Balance herzustellen.

Jeder Körper ist einzigartig

Allmählich kann auf diese Weise ein ganzheitliches Gleichgewicht zwischen Körper, Seele und Geist entstehen. Denn das Ziel der Yogapraxis ist keineswegs, sich irgendwann zur perfekten Brezel zu verformen. Große Beweglichkeit begünstigt – das zeigen Studien – Schmerzen und Verletzungsanfälligkeit, wenn sie nicht durch die entsprechende Muskelkraft ab­gesichert wird. Eine sinnvolle Yogapraxis sollte also nicht nur aus Dehnen bestehen, sondern auch für ausreichend Stabilität und Kräftigung sorgen. Dazu kommt, dass jede Hüfte, jede Wirbelsäule und jedes Knie anders und einzigartig ist und sich nicht in irgendwelche Schablonen pressen lässt.

Es ist ein Irrglaube, dass jeder Mensch mit genug Durchhaltevermögen früher oder später alle Asanas (Körperhaltungen) beherrschen kann. Ein gutes Beispiel dafür ist der viel beachtete Lotussitz, den einige nur dann einnehmen können, wenn sie die Gesundheit ihrer Knie dafür riskieren oder sogar zerstören. Der Erleuchtung bringt uns das aber keinen Schritt näher.

Das Ziel ist ein gelassener Geist. Wenn wir uns an der wichtigsten Grundlagenschrift, den „Yoga Sutras“ von Patanjali, orientieren, ist das Ziel nämlich ein völlig anderes. Es geht darum, die Wellen des Geistes zu beruhigen. Die Körperübungen sind nur ein Schritt auf dem Weg dahin. Manchmal ist der entspannt auf dem Rücken liegende Yogi diesem Ziel näher als der ehrgeizige Mattennachbar im vollendeten Lotussitz. Bevor wir üben, sollten wir uns klarmachen, worum es wirklich geht. Oder haben Sie schon jemals gedacht, wenn ich jetzt nur einen Spagat könnte, dann wäre alles leichter?

Wenn wir mehr Achtsamkeit, Gelassenheit und Selbstliebe entwickeln, sich unsere Körperwahrnehmung und unser Gespür für den Atemfluss verbessern und wir mit Gedanken und Gefühlen konstruktiver umgehen können, gewinnen wir wirklich an Lebensqualität. Wir können den Stürmen des Lebens mit mehr Stabilität begegnen und unser Körper bleibt lange gesund und im Gleichgewicht.

Tipps für Ihre persönliche Praxis

Kleine Schritte machen: Wenn Sie zu Hause mit einer regelmäßigen Yogapraxis beginnen möchten, nehmen Sie sich nicht zu viel vor. Oft gelingt es nicht, positive Gewohnheiten zu entwickeln, weil wir die Latte zu hoch legen. Lieber pro Woche fünfmal 15 Minuten üben als einmal 60 Minuten.

Die innere Haltung zählt: Versuchen Sie sich über das zu freuen, was möglich ist und sich gut anfühlt, und sich nicht über das zu ärgern, was – noch – nicht geht. Entdecken Sie Ihre Einzigartigkeit, anstatt sich zu vergleichen. Entscheidend ist, mit welch innerer Haltung Sie praktizieren, nicht ob Sie einzelne Asanas „können“.

Der Atem ist Ihr Kompass: Ob Sie die passende Praxis gewählt haben, zeigt Ihnen Ihr Atem. Er sollte ruhig, lang und gleichmäßig fließen. Wenn Sie dagegen völlig aus der Puste kommen, gepresst atmen oder gar die Luft anhalten, wollen Sie womöglich zu viel. Dann kann sich der Geist nicht beruhigen und der Körper kann sich nicht entspannen.

Den richtigen Wegbegleiter wählen: Probieren Sie so viele Yogalehrer und -stunden wie nötig aus, um jemanden zu finden, der Sie kompetent und ermutigend begleitet. Er sollte Ihnen Varianten anbieten können, wenn Sie sich in einer Haltung unwohl fühlen oder an körperliche Grenzen stoßen, und auf Ihre individuellen Voraussetzungen eingehen.

Achtsam bewegen

Kommen Sie in die Rückenlage, die Beine aufgestellt, die Arme neben dem Körper. Schließen Sie die Augen und achten Sie auf den Rhythmus Ihrer Atmung.

Verbinden Sie Atem und Bewegung: Einatmend bringen Sie den rechten Arm hinter den Kopf. Ausatmend führen Sie ihn zurück. Dann wiederholen Sie links. Schließlich führen Sie beide Arme über den Kopf und wieder zurück. Genießen Sie einen Atemzug dazwischen, bevor Sie wiederholen.

Versuchen Sie die Bewegung möglichst genau mit Ihrer Atmung zu koordinieren. Es geht dabei nicht um Perfektion, sondern darum, fokussiert zu bleiben und dabei die Körperempfindungen achtsam wahrzunehmen. Ganz allmählich wird sich die Atmung verlangsamen, wodurch das Nervensystem sanft beruhigt wird.

Atempause vom Alltag

Diese Übung können Sie jederzeit nutzen, um Stress zu reduzieren. Sie kann im Stehen, Sitzen und Liegen überall geübt werden.

Wenn möglich, schließen Sie die Augen. Spüren Sie, wie die Atemluft durch die Nase ein- und ausströmt. Spüren Sie für drei bis fünf Atemzüge, wie sich Brust und Bauch weich heben und senken. Zählen Sie einatmend und im gleichen Tempo ausatmend innerlich bis fünf, sodass Ein- und Ausatmung gleichmäßig fließen. Bleiben Sie für fünf bis zehn Atemzüge dabei. Wenn es Ihnen leichtfällt, verlängern Sie nun die Ausatmung und zählen Sie einatmend bis fünf, ausatmend bis sieben. Wenn Sie dabei aus der Puste kommen, bleiben Sie bei fünf/fünf.

Nach drei bis fünf Minuten können Sie aufhören zu zählen, sich noch zwei bis drei entspannte Atemzüge gönnen und ruhiger zurückkehren in den Alltag. Diese Übung kann das Einschlafen erleichtern, wenn sie abends im Bett praktiziert wird.

3 Yoga-Übungen für inneres und äußeres Gleichgewicht

Wir haben hier 3 Übungen aus dem Yoga für Sie zum Nachmachen:

1. Die Katze

Ausgangsposition ist der Vierfüßlerstand. Nun streckt man mit dem Einatmen das linke Bein gerade nach hinten und den rechten Arm nach vorne. Einen Atemzug halten und sanft in die Länge dehnen, dann – mit dem Ausatmen – Bein und Arm zusammenziehen und dabei den Blick Richtung Nabel senken. Danach mit dem anderen Bein-Arm-Paar wiederholen und auf jeder Seite zwölf Mal ausführen. Je langsamer die Übung ausgeführt wird, desto effektiver wirkt sie gegen Stress und schult die Balance.

2. Das Kamel

Ausgangspositon ist der Kniestand. Nun greift man mit der rechten Hand auf die rechte Ferse und mit der linken Hand auf die linke Ferse. Dabei ist es wichtig, dass man nicht das ganze Gewicht auf die Hände stützt, sie dienen nur als kleine Balance-Hilfe! Dann langsam und vorsichtig (!) den Kopf in den Nacken legen und den Rücken durchdrücken. Die Pose für 5 Atemzüge halten und dann vorsichtig –angefangen beim Kopf – lösen. Drei Mal wiederholen.

3. Nataraja – Lord of the dance

Diese Übung ist eine einfache Balance-Übung, die auch für Anfänger geeignet ist. Ausgangsposition ist ein gerader, hüftbreiter Stand. Nun nimmt man mit dem linken Arme den linken Fuß und umfasst ihn von außen am Sprunggelenk. Den rechten Arm streckt man diagonal nach vorne. Mit einem kräftigen Atemzug biegt man nun den Rücken durch – wichtig ist hier, dass man gut auf den Körper hört und keinesfalls über eine individuelle Schmerzensgrenze hinaus geht. Das Standbein dabei leicht gebeugt lassen. Ziel ist, dass der Arm, der das Bein hält, gestreckt ist. Pro Seite drei Mal wiederholen.

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