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Der Weg zur Bescheidenheit

Bescheidenheit kriegt mehr.

Home » Family » Der Weg zur Bescheidenheit - 11.2016

Mit neuen Socken holt das Christkind heute kein Kind mehr unterm Baum hervor. Familie, Geborgenheit und Freude lässt sich aber nicht an der Anzahl der Packerl messen. Das lernen wir nur über die Bescheidenheit schätzen.

Der Wunschzettel ist fertig. Und er ist lang. So lang, dass das Christkind noch ein Flügel-Fitnesstraining einlegen müsste, um diese vielen Geschenke ausliefern zu können. Eltern wissen natürlich, dass die Kinder die meisten Dinge auf der Liste gar nicht brauchen. Aber das ist beim Fest der Feste schon lange nicht mehr ausschlaggebend. Geschenke sind Dinge, die man eben nicht braucht. Das bringt man aus den heutigen Kindern nicht mehr raus. Die Zeiten, da Mama einen Mixer, Papa einen Rasierer und die Kinder neue Wintermäntel bekamen, weil der Stoff der alten schon so spiegelte, dass man sich selber darin sehen konnte, sind lang vorbei. Was Eltern ihren Kids sehr wohl beibringen können, ist das Wesen der Bescheidenheit. Dass es zu Weihnachten und überhaupt im Leben nicht darum geht, möglichst viel anzuhäufen. Dass man sich auch über Kleinigkeiten freuen kann. Bescheidenheit kann man erklären und lernen. Ebenso, dass Nehmen die Dankbarkeit einschließt, Geben aber manchmal noch viel schöner ist.

Tipp: Geschenke müssen nicht immer eine Verpackung haben. Zeit füreinander lässt sich zum Beispiel schlecht einpacken. Und ist doch so viel wert.

Eine Frage des Alters

Der finnische Kinderpsychologe Ben Furman meint, dass Probleme, die wir bei Kindern beobachten, keine wirklichen Probleme sind, sondern Fähigkeiten, die sie einfach noch nicht erlernt haben. Das heißt also, dass Kinder, je nach Entwicklung, erst ab einem gewissen Alter verstehen können, was Bescheidenheit überhaupt ist. Mit vier oder fünf Jahren entwickeln sie die Fähigkeit, sich in andere einzufühlen. Dann wird ihnen auch klar, warum man überhaupt bescheiden sein soll. Dass es ihnen nicht schlechter geht, wenn sie ihren Besitz teilen. Und dass es sogar schön sein kann, wenn man anderen etwas gibt und ihnen so eine Freude macht. Jüngere Kinder definieren sich oft über das, was sie in den Händen halten. Und identifizieren sich sofort mit ihrem neuesten Spielzeug. Dinge, die sie als Teil ihrer Persönlichkeit sehen, geben sie äußerst ungern her. Sie verteidigen, was ihnen gehört, und damit, was sie sind. Dieses Verhalten ist angeboren. Und hat schon das Überleben der Menschheit gesichert, als diese noch in Höhlen gewohnt hat.

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Große Vorbilder und kleine Tricks

Bescheidenheit und Dankbarkeit können Kinder aber lernen. Und zwar von ihren engsten Bezugspersonen. Den Eltern und Geschwistern, der Tante und dem Onkel, der Oma und dem Opa. Für die Kleinen sind die Großen bedeutende Vorbilder. Sie zeigen, was wirklich wichtig ist im Leben. Und wie wir uns in welchen Situationen verhalten sollen. Die Kinder machen es ihnen nach. Wenn die Vorbilder also bescheiden und höflich sind, wenn sie für Dinge, die vielleicht für andere nicht so selbstverständlich sind, dankbar sind, und wenn sie sich über Kleinigkeiten freuen können – dann wird das der Nachwuchs auch verstehen, verinnerlichen und selbst nach diesen Werten leben. Was Bescheidenheit ist, kann man den Kleinen immer wieder zeigen. Zum Beispiel, indem man vor dem gemeinsamen Abendessen kurz innehält und ausspricht, wofür man dankbar ist. Für die Gesundheit. Für das Dach überm Kopf. Für den gut gefüllten Kühlschrank. Für das leckere Essen. Für das kuschelige Bett. Für Menschen, die immer für einen da sind. Das ist auch eine gute Übung für die Eltern. Weil sie sich dadurch immer wieder klarmachen, wie gut es ihnen geht. Und wie glücklich sie eigentlich sind. So fällt es den Großen auch wieder leichter, sich über die kleinen und die vielleicht schon selbstverständlich gewordenen Dinge zu freuen. Über die gemeinsame Zeit mit den Lieben. Über schönes Wetter. Über einen heißen Kakao, wenn man vom Weihnachtsmarkt nach Hause kommt. Solche Kleinigkeiten übersieht man im Alltag oft. Aber macht man sie sich wieder bewusst, bereichern sie das Leben. Dieses Gefühl und diese Werte gibt man an die Kinder weiter. So lernen sie Bescheidenheit. Dann wird der Wunschzettel auch nicht so lang. Und das Christkind muss nicht extra ins Fitnessstudio.

Marie von Ebner-Eschenbach, Schriftstellerin

»Sich mit wenigem begnügen ist schwer, sich mit vielem begnügen unmöglich.«

 

Geteilte Freude ist doppelte Freude

Zu viele Geschenke sind nicht nur eine Frage der Bescheidenheit, sondern auch der Reizüberflutung. Sie überfordert die Kleinen, die sich dann gar nicht mehr richtig freuen können. Die Zeit, die ein Kind mit einem Geschenk spielt, zeigt ziemlich brutal, wie viel ihm daran liegt. Lieber ein Packerl weniger, aber dafür mit Sinn schenken. Und natürlich bedankt sich der Nachwuchs auch ganz brav, wenn er etwas bekommt. Vielleicht sogar mit einer Karte oder einem Brief. Nicht weil er muss. Sondern weil sich auch die Eltern immer höflich und ehrlich bedanken. Und weil das Kind verstanden hat, dass es nicht selbstverständlich ist, ein Geschenk zu bekommen. Dass es darum geht, jemandem eine Freude zu machen. Dass Geben schöner sein kann als Nehmen. Um den Kindern Bescheidenheit beizubringen, kann man ihnen auch das gute Gefühl vermitteln, das man hat, wenn man seinen Besitz mit jemandem teilt und ihm dadurch hilft. Zum Beispiel, indem man gemeinsam beim Projekt „Weihnachten im Schuhkarton“ mitmacht. Dazu packt man Stifte, Schokolade, Socken, Kuscheltiere und Spielzeug zusammen in einen Schuhkarton und erklärt dem Kind, dass die Sachen an bedürftige Familien gehen. Und dass man so jemandem ein frohes Fest bereitet.

BUCH TIPP Weihnachten im Schuhkarton

402.360 Kinder sind durch das Projekt „Weihnachten im Schuhkarton“ schon beschenkt worden. Wie man mitmachen kann und alle weiteren Infos gibt es auf: www.geschenke-der-hoffnung.at

Ich versus Wir

Man kann den Kleinen sehr gut erklären, wie man teilt und was man davon hat. „Wenn du die Weihnachtskekse mit deinen Mitschülern teilst, dann bleiben dir welche und die anderen freuen sich. So habt ihr alle was davon.“ Die Dankbarkeit der Mitschüler ist eine Belohnung. Und die Erfahrung wirkt nach. In Zukunft wird das Kind offener auf andere zugehen und gerne teilen. Auch weil es schnell merken wird, dass es bei den Kindern hoch im Kurs steht, wenn die auch einmal das neue Spielzeug ausprobieren dürfen. Bescheidenheit macht beliebt. Wer gibt und damit andere glücklich macht, gewinnt mehr, als er verliert. Darum geht es. Zu Weihnachten. Und im Leben.

Adventskalender selber basteln und Zeit schenken:

Selbstgebastelter Adventskalender

Was man dazu braucht. Zahlen für den Kalender entweder selbst zeichnen oder einfach downloaden, Schere, Klebestift, bunte Klebebänder, rotes Bastelband und 24 Klopapierrollen.
Erstens. Die Klopapierrollen auf einer Seite einklappen, sodass sie geschlossen ist.
Zweitens. Das Geschenk auf der offenen Seite in die Rolle hineinstecken und anschließend auch diese Seite wie im ersten Schritt schließen.
Drittens. Die Rolle mit buntem Klebeband zukleben.
Viertens. Mit rotem Geschenkband umwickeln und eine Masche binden, um alles zu fixieren.
Fünftens. Die Zahlen ausschneiden und mit dem Klebestift befestigen.
Fertig. Mit allen 24 Rollen gleich verfahren und sie dann entweder aufhängen oder in eine große Schale legen.

24 kleine Zeit-Geschenke zur Befüllung

  1. Zusammen Kekse backen
  2. Gebrannte Mandeln machen / Maroni machen
  3. Gemeinsam den Weihnachtsmarkt besuchen
  4. Zweiter Advent: Papier-Sterne basteln
  5. Zusammen die Weihnachtsdekoration aufhängen
  6. Ein Gedicht lernen
  7. Gemeinsam Weihnachtslieder singen
  8. Bratäpfel machen
  9. Adventsgeschichten vorlesen
  10. Weihnachtskarten für Oma und Opa basteln
  11. Dritter Advent: Zusammen einen Weihnachtsfilm im Kino sehen
    (z.B. Petterson und Findus – die schönsten Weihnachten überhaupt oder Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt)
  12. Einen weihnachtlichen Film ausleihen und zu Hause gemeinsam ansehen
  13. Eine heiße Schokolade machen und genießen
  14. Zusammen ein Brettspiel spielen
  15. Eigenes Geschenkpapier basteln
  16. Gemeinsam den Wunschzettel schreiben und verschicken
  17. In ein weihnachtliches Theaterstück für Kinder gehen
  18. Vierter Advent: Zusammen den Weihnachtsbaum aussuchen und aufstellen
  19. Gemeinsam die Krippe aufstellen
  20. Schlittschuh laufen gehen
  21. Gemeinsam ein weihnachtliches Bild malen
  22. Schlitten fahren gehen
  23. Zusammen einen Schneemann bauen
  24. Weihnachtlichen Kinderpunsch machen
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