Trotzkopf statt zuckersüß: Erziehungs-Erste-Hilfe

Herzlich willkommen in der Trotzphase. Was tun, wenn ...? Wir fragen, Experten antworten.

Die Trotzphase gehört zur Entwicklung jedes Kindes dazu. Dennoch stellt sie Eltern auf eine harte Probe. Nehmen Sie das Verhalten Ihres Lieblings nicht persönlich: Kinder trotzen nicht, um ihre Eltern zu ärgern. Sie können ihre Wut noch nicht steuern und schrecken sich oft selbst vor Ihren Ausbrüchen. Doch wie am besten reagieren? Die Experten der Elternwerkstatt und Obfrau Veronika Lippert geben Tipps - was tun, wenn mein Kind ...

… einen Wutausbruch hat?

Reagieren Sie ruhig auf die Wutausbrüche Ihres Kindes und lassen Sie sich von der Wut ja nicht mitreissen. Selbst die Kleinen schrecken sich vor ihren Wutausbrüchen, können diese aber noch nicht so steuern, nicht damit umgehen. Wenn Sie aufgebracht reagieren, verängstigen Sie Ihr Kind noch mehr und verstärken seinen Trotz. 

... mein Nein ignoriert? 

Ein Nein ist nichts Böses, wir lieben deshalb unsere Kinder nicht weniger – sondern zeigen ihnen, dass wir darauf schauen, sie in einem geschützten Rahmen altersgemäß groß werden zu lassen. Einmal nein sollte allerdings immer nein sein. Setzen Sie dies konsequent durch und geben Sie auch bei Gebrüll keinesfalls nach. Sonst lernt das Kind, erhebe ich meine Stimme, erreiche ich was ich möchte. Bieten Sie sinnvolle Alternativen an: Wenn ihr Kind die Bestecklade ausräumt, zeigen Sie ihm die Lade mit den ungefährlicheren Plastikbehältern. 

Das Miteinander sollte aber nicht aus zu vielen "Neins" bestehen, diese lassen sich nicht durchsetzen. Bestimmen Sie in der Familie die wichtigsten Verbote und Regeln, die gelten. Diese sollen auch bei Großeltern, Paten, Tanten und Onkeln bekannt sein. Wenn ein Kind bei Ihnen etwas nicht darf, bei der Verwandtschaft aber schon, wird es Ihre Verbote schlechter akzeptieren.

 ... die Regeln der Familie ignoriert?

Kleinkinder lernen aus Wiederholung – sie geben immer und immer wieder den Stein in die Schachtel, bis es eine Selbstverständlichkeit wird. So ist es auch mit Regeln. Alleine das Sprachliche muss einmal verarbeitet werden und auch das Einhalten von Regeln verinnerlicht werden. Das meist gesagte Wort von Eltern in der Kleinkindphase ihrer Kinder ist nein – anstrengend, mühsam und man braucht viel Geduld. Es zahlt sich aus, je eher Kinder lernen, dass ein Nein etwas ist, mit dem es zu Leben gilt, umso leichter ist dann auch ihr Erwachsen werden – die Pubertät.

… jähzornig auf ein Verbot reagiert?

In dieser Altersstufe ist die Trotzphase im Anrollen oder bereits angekommen. Kinder werden unabhängig  - sammeln ihre eignen Erfahrungen. Außerdem haben sie, so wie später in der Pubertät (zweite Trotzphase) enorme Gefühlsschwankungen. Wir Bezugspersonen sind Reibebäume, an denen sie ausprobieren können – wie weit sie gehen können. Sie erkunden, wie weit sie mit ihrem Gebrüll kommen, ob sie bekommen, was sie wollen. Schimpfen Sie nicht mit ihrem Kind, gehen Sie auf Ihr Kind ein, sagen Sie: "Ich weiß, was du willst, ich habe es verstanden - in diesem Fall kann es aber nicht nach deinem Kopf gehen, weil ...". So fühlt sich Ihr Kind verstanden und die Wut weicht.

Eine schwierige Zeit, viele Eltern meinen ihr Kinder fallen in der Entwicklung zurück – ein Irrtum, sie entwickeln sich weiter – nur eben ein Stück weg von uns hin zu ihrer Persönlichkeit.

… anderen Kindern Spielsachen wegnimmt,  andere Kinder schlägt, beisst oder an den Haaren reisst?

Kinder sollen lernen, dass sie mit Gewalt nichts erreichen können. Wer beisst oder an den Haaren reisst, muss seine Beute, die es dadurch erlangt hat, sofot wieder abgeben. 

Kinder brauchen gute Vorbilder, schauen Sie deshalb auch genau auf Ihr eigenes Verhalten - wie gehen Sie mit Besitz oder dem Besitz anderer um. Mit dem Spracherwerb ist es Kindern dann auch möglich, friedliche Kompromisse zu schließen. Zudem entwickelt sich das Zeitgefühl der Kleinen, heißt: es wird möglich, eine Zeitlang auf das Spielzeug zu warten, sich beim Spielen abzuwechseln.

… an Trennungsangst leidet?

In dieser Entwicklungsphase treten Kinder von der Symbiose zur Mutter in ihre Eigenständigkeit. Sie wissen, dass sie vom Sessel fallen können und wissen um des Schmerz danach. Durch dieses Wissen – bekommen sie auch ihre Unsicherheit und wollen dazwischen Zuneigung und Aufmerksam, also Sicherheit tanken! Stärken wir unsere Kinder, zeigen wir ihnen, dass sie auch allein sich in der Welt zurecht finden können, fällt auch die Trennungsangst weg. Trauen wir ihnen Dinge und Aufgaben zu, natürlich in einem altersgemäßen, geschützten Rahmen. Beenden wir Sätze positiv hat dies eine große Wirkung auf Kinder.  

Genauso kann man eben auch das Thema  Abschied behandeln. Spricht man den Kindern gut zu und sagt – ich wohne immer in deinem Herzen und steckt ihnen ein Bussi in die Tasche  - dann haben sie das Gefühl sicher zu sein. Und Versprechen immer einhalten – geht es einmal sich nicht aus, dann nachholen und auch wir Erwachsenen können uns entschuldigen.

Foto: shutterstock/bikeriderlondon

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