Liebe und Geborgenheit – die beste Frühförderung

Chinesisch für Babys, Musikerziehung in der Schwangerschaft und Turnen für Neugeborene? Fördern heißt nicht überfordern.

„Mein Baby kann dies schon, mein Kleiner das!“ Sätze, die viele Mütter nicht mehr hören können. Und trotzdem Unsicherheit hervorrufen, wenn der eigene Nachwuchs noch kein Krabbel-Genie ist, obwohl’s der gleichaltrige Paul von nebenan schon kann.

Kein Schema F

Fördere ich mein Baby zu wenig? Mach‘ ich etwas falsch? Oder stimmt bei meinem Liebling etwas nicht? Alles Blödsinn! Kinder entwickeln sich so unterschiedlich schnell wie sie auch als Persönlichkeiten verschieden sind. Hat der kleine Max mit vier Monaten schon Zähne, bekommt Felix seine ersten Beißerchen vielleicht erst mit einem Jahr. Krabbelt Leonie schon fleißig, wagt Emma vielleicht erst Monate später die ersten Versuche. Erklärt David seinem Umfeld schon die Welt, so hüllt sich Tobias vielleicht noch in Schweigen. Alles im Rahmen. Und das Wort Frühförderung sollte zum Unwort des Jahres erklärt werden. 

Fördern, nicht überfordern

Zeit, Raum und Liebe heißt die Formel. Denn: Kinder lernen und wachsen durch Beziehung. Die beste Art ein Kind zu fördern, ist, ihm eine sichere Bindung zu ermöglichen. Egal in welchem Alter. „Oft wird Fördern falsch verstanden. Es wird ein ungemeiner Druck aufgebaut, was man Babys schon alles beibringen  kann – beginnend mit  Chinesisch-Kassetten für die Schwangeren, um dem Kind ehest möglich Sprachenvielfalt anzubieten“, stellt die Wiener Kinderärztin und Psychotherapeutin Katharina Kruppa klar. Dieser Stress - von Musikgruppen für die ganz Kleinen über Babyschwimmen und Babyturnen - lasse das einfache Miteinander-Sein in den Hintergrund treten.

Kinder wollen lernen

Übertriebene Förderprogramme sind eben nicht notwendig. Kinder haben einen natürlichen Trieb zu lernen. „Dann, wenn sie sicher und geschützt sind und ihre Grundbedürfnisse erfüllt sind“, so Kruppa: „Natürlich geht es auch um eine anregende und sichere Umgebung, in der die Kinder explorieren können.“

Fördern wie von selbst

Förderung ist keine Wissenschaft für sich. Oft geschieht sie gar nicht bewusst: Einfache, altersgerechte Spiele und kleine Reimspiele, die oft eine Selbstverständlichkeit im Umgang mit den Kindern sind, machen viel Sinn. Auch häufiges Sprechen mit dem Zwerg, gemeinsam Bilderbücher anschauen und Bücher vorlesen sind Frühförderung.

Auch das miteinander Entdecken und der Kontakt zu anderen Menschen, Erwachsenen und Kindern sind wichtig. Und zwar dann, wenn es Freude macht und nicht zusätzlich Stress verursacht. „Beziehung, liebevolle Grenzen, eine sichere Umgebung, ausreichend Bewegung und viel gemeinsame Zeit sind wohl am Wesentlichsten, danach erst ein sinnvolles, nicht übermäßiges Angebot an altersgerechten Spielsachen und an Gruppenerlebnissen mit anderen“, resümiert die Expertin.

 

Foto: shutterstock

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