Kindergarten? Keine reine Frauensache!

Kinder-Betreuung ist was für Frauen? Nicht nur! Ein Kindergartenpädagoge im Interview.

Die Jobs im Kindergarten sind zumeist weiblich besetzt.

In Österreichs Kindergärten sind unter hundert Kindergarten-Pädagogen nicht einmal zwei Männer anzutreffen. Eine ähnlich geringe Zahl gibt's bei den Karenzvätern: Hier entscheiden sich aber immerhin schon knapp neun von hundert Vätern für ein längeres Zuhausebleiben.

Zwei von hundert Kindergarten-Pädagogen sind männlich: Rafael Paulischin-Hovdar ist einer von ihnen.

Familie und Kinderbetreuung sind also längst nicht mehr nur Frauensache. Kindergärtner, Väter, Erzieher - all diese Rollen sind wichtig für die Zwerge. Eine Studie der Universität Innsbruck hat gezeigt, dass Kindergartenpädagogen das Verhalten von Buben im Kindergarten durchaus beeinflussen. Die Burschen sind dank der männlichen Ansprache interessierter an Kontakten und aktiver. Besonders Buben ohne Vaterfigur profitieren davon.

Warum entscheiden sich Männer für den Kindergarten? Was wir in puncto Erziehung von Männern lernen können? Das erzählt der Kindergartenpädagoge Rafael Paulischin-Hovdar im Interview.

Warum sind Sie Kindergartenonkel und nicht Computerfachmann oder Automechaniker geworden?

Ich finde „Pädagoge“ oder schlicht „Kindergärtner“ passender als Kindergartenonkel, auch wenn die maskuline Variante manchmal noch Verwunderung auslöst. Mir passiert es oft, dass ich gefragt werde, wie die Kinder im Kindergarten zu mir sagen, mit der angehängten Frage: „Sagen sie ‚Onkel‘ zu dir?“ Tun sie nicht! Ein kleines Mädchen ließ es sich einmal nicht nehmen „Tanterich“ zu mir zu sagen. Aber bis auf wenige Ausnahmen sagen die Kinder zu mir schlicht „Rafael“  – ich sage zu ihnen ja auch nicht „Kind“.

Warum ich Kindergärtner geworden bin? Das familiäre Umfeld hat mich eben geprägt. Da sowohl Vater als auch Mutter in der sozialen Arbeit tätig sind, habe ich wohl so etwas wie ein „soziales Gen“ geerbt. Leider stellt sich dieses Gen gesellschaftlich betrachtet nur allzu oft als rezessiv heraus. Nachdem meine Eltern nun jegliche Managermentalität in mir im Keime erstickten, machte mir selbst in der Pubertät die männliche Minorität – ein gefühlter Männeranteil von 0,0001% – an der Bundesbildungsanstalt für Kindergartenpädagogik nichts weiter aus. Nach meinem im Anschluss absolvierten Studium waren es vor allem die Erfahrungen mit meiner älteren Tochter, die mich dazu bewogen haben, mich in diesem Beruf zu versuchen. Aus heutiger Sicht war es gewiss kein Fehler und ich hoffe, das sehen auch die Kinder im Kindergarten so.

Was können Männer in puncto Kindererziehung besser als Frauen?

Da bin ich sicher nicht derselben Meinung wie meine Frau. Ich kann hier auch keine eindeutige Antwort geben. Ich denke, es ist häufig eine Frage des Typs und weniger des Geschlechtes.

Ihr Lieblingsspiel im Kindergarten?

Jetzt wird es mal klischeehaft: Fußball … Was mir aber mindestens genau so viel Spaß macht, ist meine wöchentliche Mythologiestunde, in der ich vorwiegend griechische Sagenzyklen erzähle. Die Kinder können gruppenübergreifend freiwillig zuhören – meistens wollen sie dann auch so lange, bis ich kaum noch Stimme habe.

Was können wir von Kindern lernen?

Sehr vieles: Gelassenheit, lästige Umgebungsgeräusche auszublenden und sich völlig auf eine Tätigkeit zu fokussieren. In Fantasiewelten abzutauchen – gerade um die Gabe der Fantasie, die wir als Erwachsene leider nahezu verloren haben, beneide ich meine Kindergartenkinder.

Ein männlicher Tipp für die Mamis?

Geben Sie Ihren Kindern genügend Zeit zum Spielen, lassen Sie sie schmutzig werden und genießen Sie die gemeinsame Zeit!

Bild: shutterstock

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