Alle doof außer Mami: Hilfe, mein Kind fremdelt!

Gestern war Oma noch die Beste. Die Tante noch eine Kuschelfreundin. Heute ist alles anders.

Dass Kinder eine Zeit lang fremdeln, ist ganz normal.

Fremde werden skeptisch beäugt. Kommen sie zu nahe, wehren Babys und Kleinkinder die Eindringlinge mit Schreien und Weinen ab. Der Briefträger – gestern noch willkommener Gast - wird nicht mehr mit süßem Lächeln beschenkt. Und: Sogar bei Papa dauert es länger, bis es wieder in den Kuschelmodus geht.

Aber ruhig Blut: Fremdeln ist ein völlig normaler Entwicklungsschritt, ein Reifeprozess, der rund um den achten Lebensmonat auftaucht. „Manchmal auch schon ab dem vierten Monat“, weiß die Elterntrainerin Hannelore Berdev.

Die Kleinen entwickeln in diesem Prozess ein gesundes Misstrauen gegenüber Fremden. Sie unterscheiden nun zwischen Bekanntem und Neuem, zwischen engen Bezugspersonen und gelegentlichen Gästen. Diese Phase verschwindet meist rund um das dritte Lebensjahr wieder.

Wichtiger Entwicklungsschritt

Was aber steckt hinter der Angst vor Nicht-Bekanntem? „Das Kind ist im ersten Lebensjahr symbiotisch mit der Mutter verbunden. Es nimmt noch nicht wahr, dass es eine eigene Person ist“, erklärt die Expertin.

Sobald der Nachwuchs die nahen Bezugspersonen von anderen unterscheidet, kann es zu fremdeln beginnen. „Das muss aber auch nicht sein.“ Väter sollten sich jedenfalls nicht gekränkt fühlen, wenn die Kleinen in dieser Zeit besonders an der Mama hängen und Papa gegenüber manchmal skeptisch sind. Das legt sich schnell wieder - und auch die Bindung zwischen Vater und Kind ist wieder innig.

Sensible Zwerge

Gegenüber Personen, die das Baby nur gelegentlich sieht, kann die Skepsis allerdings länger dauern: Es erkennt, dass Sprache, Gesten, Laute, Mimik, Aussehen und Gerüche anders sind als jene, die es gewohnt ist. Darauf wird erst mal ängstlich reagiert. Wichtig ist, dass man dies nicht persönlich nimmt: Mit Sympathie oder Antipathie hat das Verhalten des Babys oder Kleinkinds nichts zu tun.

Normale Entwicklung

Trotz Angst und negativen Gefühlen ist diese Zeit eine ganz Wichtige: In dieser Entwicklungsphase lernen die Kleinen, Bindung aufzubauen, beziehungsfähig und sozial kompetent zu werden. Eltern müssen wissen, dass sie keine Fehler gemacht haben. Fremdeln ist ein normaler Entwicklungsschritt. Geduld und eine extra Schmuse-Einheit können helfen, dass sich das Baby langsam sicherer fühlt.

Genügend Rückendeckung

Geben Sie Ihrem Baby das Gefühl, bei Ihnen sicher zu sein. Bleiben Sie in seiner Nähe und lassen Sie Ihrem Liebling Zeit, sich an neue Menschen zu gewöhnen. Und: Zwingen Sie es nicht, der Oma jetzt die Hand zu geben oder dem Besuch das obligatorische Bussi. Damit verlieren Sie nur das Vertrauen Ihres Kindes, seine schützende Hand zu sein. 

Foto: shutterstock

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