Multitalent Vanille

Warum wir die Königin der Gewürze lieben. Plus: Rezept für ein exquisites Vanillesüppchen.

Warmer, süßer Duft, intensives Aroma: Vanille gehört zu den Lieblingsgewürzen vieler. Warum? Sie ist vielseitig einsetzbar und ziemlich kostbar.

Woher kommt Vanille?

In Mexiko schätzte man die wertvolle Pflanze schon vor mehreren hundert Jahren. Sie war so kostbar, dass sie sogar als Zahlungsmittel diente. Irgendwann kamen die Spanier und importierten die Vanille nach Europa. Später nahmen Holländer und Franzosen die Pflanze mit auf ihre fernen Reisen, wo sie Kolonien aufschlugen. So kam die Vanille an exotische Orte wie La Réunion und Madagaskar, wo sie heute hauptsächlich angebaut wird. Die berühmte Bourbon-Vanille hat ihren Namen übrigens von der Insel Réunion, die früher Île Bourbon hieß.

Warum ist Vanille so kostbar?

Wer Vanille säen und ernten will, braucht vor allem eines: viel Geduld. Erst nach sage und schreibe vier Jahren trägt die Pflanze zum ersten Mal Früchte. Sie gehört zu den Kletterorchideen und muss regelmäßig beschnitten werden, damit sie nicht zu sehr wuchert. Zum Bestäuben bleibt nur ein kurzes Zeitfenster: Vanille blüht nur wenige Wochen im Jahr und auch dann nur für wenige Stunden am Tag. Genau dann muss sie mit einem Bambusstäbchen künstlich bestäubt werden. Ein halbes Jahr später werden die fast noch grünen Schoten geerntet. Und dann wird es nochmal zeitintensiv: Aroma und Farbe kriegen die Schoten erst bei der so genannten Schwarzbräunung. Dabei werden sie mit Heißwasser oder Wasserdampf behandelt und fermentiert. Erst jetzt entsteht der Hauptaromastoff namens Vanillin. Der Vorgang kann bis zu einem Monat lang dauern.

Was ist „echte Vanille?“

Weltweit gibt es mehr als 100 verschiedene Vanillearten, aber nur 15 davon liefern die aromatischen Kapseln. Die beliebteste davon ist die Gewürzvanille. Neben dem Aromastoff Vanillin beeindruckt Naturvanille mit 50 weiteren Aromastoffen und mehr als 130 chemischen Verbindungen. Hochwertige Vanilleschoten, umgangssprachlich als „echte Vanille“ bezeichnet, werden meist in kleine Glasröhrchen verpackt, um keine Fremdaromen aufzunehmen. Ist die schwarze Schote biegsam und hat weiße Kristalle auf der Oberfläche, stimmt auch die Qualität.

Was kann Vanille?

Schneidet man die Vanilleschote längs auf, kann man das kostbare Vanillemark herauskratzen. Schon eine kleine Prise verhilft Süßspeisen zu einem intensiven Aroma: von der Crème brûlée bis zum Eis, vom Vanillekipferl bis zum Muffin, vom Milchreis bis zum süßen Schmarrn. Sogar pikanten Speisen wie Fisch, Fleisch mit Pfeffer-Vanille-Sauce oder Salaten mit aromatischen Dressings verleiht Vanille einen besonderen Geschmack. Tipp: Die ausgekratzte Schote muss nicht weggeworfen werden. Daraus lässt sich zum Beispiel Vanillezucker machen: Abwaschen, trocknen und mehrere Wochen lang gemeinsam mit Zucker in ein luftdicht verschlossenes Glas geben.

Rezept: Karotten-Vanille-Macchiato-Suppe

Zutaten
Für 4 Portionen

Haselnuss-Milch:

Suppe:

Zubereitung

Haselnuss-Milch: Haselnüsse grob zerstoßen und in einer vorgeheizten Pfanne ohne Fett goldgelb rösten. Milch, Sahne, Zucker und Salz zusammen aufkochen. Geröstete Haselnüsse in die Milch geben und erneut aufkochen. Haselnuss-Milch für mindestens zwei Stunden (am besten über Nacht) ziehen lassen. Danach einmal aufkochen, fein mixen und durch ein feines Sieb geben.

Suppe: Kartoffeln und Karotten schälen und in feine Würfel schneiden. Vanilleschote längs halbieren und das Mark herauskratzen. Butter in einem geeigneten Topf zerlassen, Gemüse darin farblos anschwitzen. Vanillemark, Zucker und Chiliflocken zugeben und mit Gemüsebrühe ablöschen. Für 15–20 Minuten köcheln lassen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Mit einem Pürierstab ganz fein mixen und die Suppe durch ein feines Haarsieb geben.

Anrichten: Suppe heiß in Gläser füllen. Haselnuss-Milch mit dem Pürierstab aufschäumen, den Schaum mit einem Löffel auf die Suppe geben und alles servieren.

Fotos: shutterstock; Alnatura, Fotograf: Oliver Brachat

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