Eine schrecklich schöne Beziehung

Wie Mutter und Tochter es schaffen, mit Konflikten umzugehen. Ein Interview.

Nicht immer einfach: Die Beziehung zwischen Mama und Tochter

Von höchster Harmonie bis Kampfmodus. Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist nicht immer einfach. Warum ist das so? Und wie mit Konflikten umgehen? Siegrid Enzenebner, Diplomierte Lebens- und Sozialberaterin aus Linz, im Interview.

Siegrid Enzenebner, Diplomierte Lebens- und Sozialberaterin aus Linz.

Wie kann man als Mutter von Anfang an eine gute, gefestigte Beziehung zur Tochter aufbauen?
Eine liebevolle Beziehung beginnt mit der Bindung im Mutterleib. Dies wird durch das „Rooming- In“  auf der Geburtenstation weiter ausgebaut. Das heißt, dass das Kind im Zimmer der Mutter bleiben darf. Die Verbundenheit mit der Mutter wird durch Nähe, Zärtlichkeit, Schutz vor Gefahren und das Lernen sozialer Fähigkeiten verstärkt. Diese kann das Kind später in ihre eigenen Beziehungen einbringen.

Warum sind Mutter-Tochter-Beziehungen oft so schwierig?
Grundsätzlich lernen Kinder am Modell. Mädchen möchten wie ihre Mütter sein. Sie beobachten und übernehmen daher auch Verhaltensweisen, die uns nicht immer gefallen. Verhalten wird nicht als rein Gegebenes gesehen, sondern entsteht durch das wechselseitige Beeinflussen von Mutter und Tochter.

Wie können Mutter und Tochter bestmöglich mit Konflikten umgehen?
Eine Mutter, die das Verhalten ihres Kindes in Konfliktsituationen positiv beeinflussen möchte, sollte zuerst die eigenen Verhaltensmuster kennen. Wichtig ist in solchen Situationen die Sprache. Die Art und Weise, mit ihrer Tochter zu sprechen, wenn es Konflikte gibt. Ebenso die eigene Vorbildwirkung sowie das Setzen von Konsequenzen. Auch wichtig: Über diese Regeln sprechen, dadurch lernt ein junges Mädchen die Sinnhaftigkeit zu verstehen und kann sie besser einhalten. Was die Mutter außerdem an die Tochter weitergeben sollte ist Zuwendung, die Botschaft: du bist mir wirklich wichtig!

In welchen Lebenssituationen muss die Mutter mit der Tochter nachsichtig sein, wann ist es umgekehrt?
Besonders bei der Entkoppelung der Mutter-Tochter-Allianz: Wenn die Tochter in die Pubertät kommt, wird sie gegenüber den Eltern oft feindselig und provokativ. Die Mutter versucht dann verzweifelt, die beste Freundin zu bleiben. Durch das aufdringliche Verhalten fühlt sich die Tochter aber bedrängt und irritiert. Häufig stecken Mädchen während dieser Zeit in einem tiefen Konflikt. Als Mutter sollte man sich in dieser Phase auf die Führungsaufgabe und den Erfahrungsvorsprung konzentrieren. 

Was fördert eine gute Beziehung wenn die Tochter bereits erwachsen ist?
Eine Mutter, die in der Beziehung zu ihrer Tochter den Platz als Mutter und nicht als Freundin gefunden hat. Sie wird ihrer erwachsenen Tochter als Ratgeberin in entscheidenden Situationen mit ihrer Erfahrung helfend zur Seite stehen können.

Fotos: dm/privat

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